Beispiele gelungener Kriegs- und Bürgerkriegsprävention

Ein Überblick  

Forum Crisis Prevention (Hg.), Redaktion: Reiner Steinweg
– work in progress –

Wir über uns

Vorwort

„Work in progress“ bedeutet: Der hiermit zugänglich gemachte Internet-Eintrag wird immer wieder ergänzt. Dazu bitten wir die Leser_innen um Vorschläge und/oder Beiträgezu weiteren Fällen, auch um Korrekturen und Ergänzungen der schon vorliegenden Texte, sofern etwas Wesentliches nicht erwähnt worden sein sollte.Dabei bitten wir zu berücksichtigen, dass alle Autor_innen gebeten wurden, sich wie in einer Enzyklopädie auf die Kernpunkte, das Allerwichtigste, zu beschränken. Nur wenn ähnlich gelagerte Konflikte in zwei Nachbarländern behandelt werden, wurde ein etwas größerer Umfang zugestanden.
Für Fälle, die im Inhaltsverzeichnis mit NN. gekennzeichnet sind, werden noch Autor_innen gesucht!

Ideen, Beiträge und Ergänzungen oder Korrekturen (auch auf Englisch oder Französisch!) bitte direkt an die Redaktion: reiner.steinweg@liwest.at

Auch Beispiele aus früheren historischen Epochen sind willkommen! Die Einträge werden jeweils am Ende namentlich gekennzeichnet.
Die Literaturangaben sind ebenfalls bewusst knapp gehalten, sie bieten den Leser_innen eine erste Orientierung für vertiefende Information. In der Regel finden sich in den angegebenen Arbeiten weitere Literaturhinweise.
Wenn genügend Beispiele beisammen sind, wird angestrebt, eine englische und eine französische Version zu erstellen und eine mehrsprachige Broschüre zu veröffent­lichen, die u.a. den mit solchen Fragen befassten politischen Dienststellen in Berlin , Brüssel und anderswo als Handreichung zur Verfügung gestellt wird.

Umriss und Begründung des Vorhabens

Gelungene Kriegsprävention hat in den öffentlichen Debatten einen niedrigen Stellen­wert. Inter- und intranationale Spannungen und Krisenherde beschäftigen uns in der Regel so lange, wie ihr Ausgang ungewiss ist und das Menetekel des Krieges an der Wand steht. Wenn es dagegen gelingt, einen Krieg abzuwenden, ist der Fall für die allgemeine Öffentlichkeit bzw. die Medien nicht mehr interessant. Dennoch gilt der Satz, den Lothar Brock, Prof. em. der Goethe-Universität Frankfurt am Main und viele Jahre Forschungsgruppenleiter der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, am 20. September beim Biberacher Symposium zum 75. Geburtstag eines der Gründungsväter der deutschen Friedens- und Konfliktforschung, Dieter Seng­haas, sagte: „Prävention ist das A und O“.

Die Folge des mangelnden öffentlichen Interesses an gelungener Prävention ist, dass diese Fälle selbst in der Friedensforschung eher selten untersucht werden und im allgemeinen Bewusstsein kaum präsent sind. Damit wird die Chance vertan, aus diesen Fällen für ähnlich gelagerte zukünftige Konflikt­konstellationen zu lernen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Und es wird zugleich die fatale, weil folgenreiche was wiederum die fatale, weil folgenreiche Einstellung bestärkt, dass gegen Krieg kein Kraut gewachsen sei. Das Forum Crisis Prevention bemüht sich daher um eine Sammlung bewusst knapp gehaltener, leicht lesbarer Darstellungen von Fällen gelungener Kriegs­und Bürgerkriegsprävention, jeweils mit etwas Vorgeschichte und unter Angabe weiterführender Literatur.

Prävention meint dabei

  1. die Verhinderung eines Krieges, Bürgerkrieges oder von Vorstufen dazu (gewalt­tätige Auseinandersetzungen zwischen großen Kollektiven) sowie
  2. Regelungen nach einem Krieg, die dessen Wiederaufflammen mindestens 10 Jahre lang verhindert haben. Damit ist nicht gesagt, dass etwa alle Probleme und Spannungen im Zusammenleben der betroffenen Ethnien oder/und gesellschaftlichen Gruppen gelöst sein müssen.

Angestrebt wird eine Broschüre zur Präventionsproblematik, in der einzelne Fälle von unterschiedlichen Autoren vorgestellt werden. Dabei wird in der Regel darauf verzichtet, die jeweils begünstigenden Umstände zu erörtern, denen sich das Gelingen verdankt. Denn solche besonderen Umstände gibt es so gut wie immer. Hier ist nicht die Frage, ob solche Umstände vorhanden waren oder nicht, sondern ob die damit gegebenen Chancen auch rechtzeitig und tatkräftig ergriffen wurden, was keineswegs immer der Fall ist. Und: Manche dieser günstigen Umstände wie z.B. den klaren Willen auf allen Seiten, eine Eskalation zum Krieg zu vermeiden, kann man auch bewusst herbeizuführen versuchen!

Genau dies ist der Zweck dieser Sammlung: Die geplante Broschüre bzw. vorerst der Interneteintrag als „work in progress“ soll ermutigen und einen kleinen Beitrag dazu leisten, den gesellschaft­lichen Druck auf die Regierungen zu erhöhen, zivile und friedliche Wege der Konflikt­beilegung zu suchen statt, wie z.B. 1914 den Dingen fatalistisch ihren scheinbar unabwendbaren Lauf zu lassen oder wie im Kosovo 1999, im Irak 2003 oder in Libyen 2011, das Heil in Luftangriffen und anderen Kampfformen zu suchen, deren verheerende Spätfolgen meistens erst Jahre nach dem „Sieg“ sichtbar werden.

Besonders bedanken möchten wir uns bei Saskia Thorbecke, die mit der vorliegenden Sammlung auf Bitte des Forum Crisis Prevention begonnen hat, nachdem sie für den Band „Gewaltfreie Aktion. Erfahrungen und Analysen“ (hg. 2011 von Reiner Steinweg und Ulrike Laubenthal) einen ähnlich strukturierten, vorbildlichen und gern genutzten Überblick über besonders prominente und erfolgreiche gewaltfreie Aktionen seit dem 17. Jahrhundert erstellt hatte. Ohne ihre Vorleistung wäre der vorliegende Kernbestand der geplanten Sammlung nicht zustande gekommen.

Wir bitten alle Leser_innen um Anregungen und Vorschläge einerseits für die Verbes­serung des vorliegenden Entwurfs, andererseits für zusätzliche Beispiele auch aus weiter zurückliegenden Epochen der Menschheitsgeschichte und in Frage kommende Autor_innen, die wir anschreiben könnten.

Linz, 6. August 2014, überarbeitet im November 2015
Reiner Steinweg und Frieder Schöbel für „Forum Crisis Prevention“


Forum Crisis Prevention (Ed.)
Editorial office: Reiner Steinweg

Examples of Successful War and Civil War Prevention

An overview

Work in Progress
http://www.crisis-prevention.info

Updated 13 November 2015

„Work in progress“ means that the Internet entry hereby made available will continually be completed. We kindly ask readers for suggestions and/or contributions to other cases, and to make corrections and additions to the present texts, provided that something essential has been omitted. We ask you to bear in mind that all the authors had been asked to confine themselves to the key points, i.e. the most important facts, as in  encyclopedia. Only if similar conflicts in two neighbouring countries were dealt with, a somewhat larger size was allowed.
For countries marked with NN in the table of contents authors are still needed! For ideas, contributions, and additions or corrections (also in English or French) please contact our editorial team at reiner.steinweg@liwest.at.

Examples from earlier historical periods are also welcome! Contributions are identified by name at the end.

References are also deliberately kept short. They give the reader an initial orientation for subsequent more detailed information. Most entries will contain references for further reading. When enough examples are filed, the aim is to create an English and a French version and publish a multilingual brochure which will be handed out to political offices dealing with such issues in Berlin, Brussels and elsewhere .

Outline and Justification for the Project

In public debates successful prevention of war has low priority. As a rule inter- and intra-national tensions and crises are dealt with as long as their outcome is uncertain and the “writing of war is on the wall”. If, on the other hand, a war has been averted successfully, the case is no longer of interest to the general public and the media. Nevertheless, the statement, „Prevention is the Alpha and Omega“, made by Lothar Brock, prof. em. at Frankfurt Goethe University and director of the Research Group of the Hessian Foundation for Peace and Conflict Research, on 20 September 2015, still stands. Lothar Brock made this statement at the Biberach Symposium on the occasion of Dieter Senghaas’s 75th anniversary, one of the founding fathers of German peace and conflict research.

The result of the lack of public interest in successful crisis prevention is that those cases are rarely investigated even in peace research. Especially the general mind takes almost no notice. So the opportunity to learn from those cases for similar future constellations of conflict and to provide adequate provisions is lost. At the same time the far-reaching consequences of the disastrous attitude is reinforced that “there is no remedy against war”. Therefore Forum Crisis Prevention tries to collect concise and comprehensible descriptions of successful prevention of wars and and of civil wars. Each of those contains some case history and recommendations for further reading. Prevention here means, 1) prevention of war, civil war or early stages of those (violent conflicts between large communities) and2) practices for the time after war which have prevented resurgence of conflict for at least 10 years. This does not mean that in the coexistence of the affected ethnic and / or social groups all problems and tensions must have been solved.
The aim is to publish a booklet on prevention where different authors present a variety of case studies. It has been decided not to discuss all favourable factors that have also contributed to success as such special circumstances can almost always be found. Here the question is not whether such circumstances existed or not, but rather, if given the right circumstances, the opportunity was seized to engage in timely intervention, which is by no means always the case. And some of these favorable circumstances, e.g. the clear will on all sides to avoid an escalation into war, can in fact be delibertately facilitated into being!
This is precisely the purpose of the collection. The planned brochure is meant to encourage and maximise preventative actions, as well as to stimulate increasing popular pressure on governments for these to make a concerted effort of engagment in more proactive, peaceful measures for the deescalation of conflicts. The same is true for the webpage, until the brochure gets printed. Both are indicated as ‘work in progress’. All too often in the last 100 years leading politicians instead of taking a preventative stance became fatalistic and decided ‘to let things take their course’. This was true, for example, in 1914 (Chancellor Bethman-Holweg in Berlin), in 1999 with respect to Kosovo, in 2003 with respect to Iraq and in 2011 in Libya, where resolutions were forced through air strikes, and other forms of military interventions, whose devastating and long term consequences often only become apparent many years after ‘victory’ had been proclaimed.
Especially we want to thank Saskia Thorbecke, who started the present collection at the request of Forum Crisis Prevention, once she had finished a similarly structured, model and much-used overview for the book „Nonviolent Action – Experience and Analysis“ (ed. in 2011 by Reiner Steinweg and Ulrike Laubenthal) on particularly prominent and successful nonviolent actions since the 17th century. The current collection is structured along similar lines of this her previous publication, which gave an excellent and very useful, reader friendly set of examples of successful nonviolent interventions from the 17th Century onwards. Without Saskia Thornbecke’s extraordinary preliminary work, the present core of this planned collection would not have materialized.
We are asking all readers both for suggestions and proposals for the improvement of this draft and for additional examples even from earlier periods of human history, and also for further possible authors who we could contact.

Linz, 6 August 2014, revised November 2015                
Reiner Steinweg and Frieder Schöbel for „Forum Crisis Prevention“


Forum Crisis Prevention (éditeur)
Rédaction: Reiner Steinweg

Exemples de prévention réussie de guerres internationales
et de guerres civiles

– Un aperçu –

Work in Progress

Préface

La prévention réussie d’une guerre ne joue qu’un rôle modeste dans les discussions publiques. Les tensions et crises inter- et intranationales nous occupent normalement aussi longtemps que leur issue est incertaine et que le mauvais présage d’une guerre menace. Si par contre, celle-ci peut être évitée, le problème n’intéresse plus ni le public ni les médias. Néanmoins, la phrase du professeur Lothar Brock reste vraie, une phrase prononcée le 20 septembre 2015 lors du symposium de Biberach à l’occasion du soixante-quinzième anniversaire de Dieter Senghaas, un des fondateurs de la recherche scientifique sur la paix et les conflits: «La prévention est ce qu’il y a de plus important».

Pourtant, des préventions réussies existent. Si les groupes de la population qui façonnent ou au moins influencent la politique avaient une conscience claire de ce que la prévention n’est pas seulement possible en théorie, mais fonctionnait toujours en pratique et peut être réalisée dans chacun des cas, si l’on y met de l’effort et de la ténacité; surtout, si l’on commence à temps, cette conscience elle-même serait déjà un élément de prévention. Par contre, le fatalisme en face d’une guerre imminente mène à la violence puisque une confiance en la possibilité d’une prévention réussie fait défaut.1

Prévention signifie ici:

  1. Le fait d’éviter une guerre internationale, une guerre civile ou des stades préliminaires (violences entre de grands collectifs) ainsi que
  2. des règlements, après une guerre, qui ont empêché sa reprise pendant au moins dix années. Cela ne veut pas dire que tous les problèmes et tensions dans la vie commune des ethnies concernées ou/et groupes sociaux doivent être résolus.

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Voir p.ex. Richard Ned Lebow: Kognitive Blockierung und Krisenpolitik: Deutsche Entscheidungsträger im Juli 1914, dans: Reiner Steinweg (réd.): Kriegsursachen (= Friedensanalysen 21), Frankfurt/M.: Suhrkamp 1987, p. 191-247.

Les cas de cette brochure sont présentés exprès d’une façon courte et concise. L’essentiel seulement est mentionné – quasi dans le style des grandes encyclopédies, de façon que les diplomates et personnes politiques très occupés puissent le lire. Un index de littérature choisie permet de s’informer d’une façon plus approfondie.

Dans la brochure présente, les circonstances favorables auxquelles se doit aussi très souvent la prévention réussie, ne sont pas toujours soulignées, car ces circonstances spéciales existent presque toujours. La réussite ne dépend pas de facteurs favorables et de leurs conditions, mais de ce que les chances qu’ils offrent soient saisies à temps et énergiquement, avec le soutien d’un vaste collectif.

Le « Forum Crisis Prevention » prévoit pour 2019/20 une deuxième édition élargie de cette brochure qui pourrait contenir – entre autres – les exemples suivants, à condition que des auteurs compétents se trouvent:

  • L’Inde : Intégration des Naxalites par Nehru
  • Le Libéria : La contribution des « femmes en blanc » à la prévention d’une reprise de la guerre civile de 1999 à 2003
  • Le Cameroun – Nigéria 2006
  • L’Afrique du Sud

Jusque-là, la version présente sera complétée régulièrement sur le site Internet: http://www.crisis-prevention.info/

Nous demandons à tous les lecteurs de nous faire parvenir des suggestions et des propositions d’autres exemples, également d’époques antérieures à la nôtre, ainsi que de nous indiquer des experts à qui nous pourrions demander un article.

Nous remercions très cordialement tous les auteurs d’avoir bien voulu – sans honoraire – abréger leurs articles et de les rédiger selon nos propositions.

Nous tenons aussi à remercier

  • Saskia Thorbecke qui a commencé le recueil ci-présent à la demande du « Forum Crisis Prevention ». Elle avait fourni pour le volume « Gewaltfreie Aktion. Erfahrungen une Analysen » (éd. 2011 de Reiner Steinweg et Ulrike Laubenthal) une vue d’ensemble d’actions non-violentes réussies d’une importance spéciale, à partir du 17e siècle. Ce travail exemplaire est structuré un peu comme celui de cette brochure et les lecteurs y recourent volontiers. Sans cette contribution de Saskia Thorbecke, la collection présente n’aurait pas été réalisée.
  • Esther Packrand (Australie), qui, en tant que native, a revu la traduction allemande/anglaise de Frieder Schöbel.
  • Gudrun Rehmann, qui s’est chargée, avec le soutien d’Iris Barentin, de la traduction des textes en français.

Linz et Berlin, septembre 2016

Reiner Steinweg et Frieder Schöbel pour le « Forum Crisis Prevention »