Die Åland-Inseln 1918

Die Åland-Inseln liegen zwischen Finnland und Schweden, am Übergang zwischen dem Bottnischen Meerbusen und der Ostsee. Die strategische Lage begründet für Schweden und Finnland sowie für Russland ein bedeutendes Interesse an den Åland-Inseln. Die Geschichte der Åland-Inseln ist daher eng mit den Auseinander­setzungen zwischen Schweden und Russland sowie mit der Entstehung des finnischen Staates verbunden.

Während des Großen Nordischen Krieges zwischen Großschweden und Russland besetzt Russland 1714 den größten Teil Finnlands und die Åland-Inseln. Der Friede von Nystad 1721 beendet diese Besetzung. In Folge des Nordischen Krieges schwindet der Einfluss Schwedens in der Ostseeregion und auf Finnland, das bis dato in die schwedi­sche Reichsverwaltung integriert war. Der Versuch Schwedens, seine Groß­machtstel­lung wiederzuerlangen, scheitert. Erneut geraten die Åland-Inseln sowie Finnland von 1741-1743 unter russische Besatzung. Im dritten Napoleonischen Krieg stehen sich das russische Zarenreich und Schweden erneut gegenüber. 1808 beginnt Russland den einjährigen Krieg mit Schweden um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Mit dem Frieden von Fredrikshavn 1809 verliert Schweden endgültig seinen Einfluss auf die Åland-Inseln und auf Finnland. Die Inselgruppe wird Teil des autonomen Groß­fürstentums Finnland innerhalb des russischen Zarenreiches. Im Krimkrieg werden die Åland-Inseln 1854 von der französischen Kriegsmarine besetzt. Der Pariser Friedens­vertrag beendet 1856 den Krimkrieg und legt erstmals die Demilitarisierung der Åland-Inseln fest.

1917 ermöglicht die russische Februarrevolution weitreichende Veränderungen für die Großfürstentümer. Am 22. August 1917 wird auf den Åland-Inseln in einer Versammlung der Inselvertreter der Wunsch nach Wiederanschluss an Schweden öffentlich artikuliert. Mit der kurz darauf folgenden Unabhängigkeit Finnlands kommen die Åland-Inseln als ehemaliger Teil des russischen Großfürstentums Finnland jedoch zu Finnland. Die Åländer berufen sich nun auf den Selbstbestimmungsgrundsatz der Völker. Sie richten eine Petition an den schwedischen König und bitten um Wiedereingliederung in das schwedische Königreich. Finnland lehnt die Abgabe der Åland-Inseln ab, aber das finnische Parlament erlässt 1920 ein Selbstverwaltungsgesetz für die Åländer. Da dieses den Konflikt nicht beseitigt, wird auf Vorschlag von England der Völkerbund um eine Entscheidung ersucht.

Der Völkerbundrat spricht 1921 Finnland die Souveränität über die Åland-Inseln zu. Den Åländern wird Autonomie angeboten, die schwedische Sprache und der Erhalt ihrer Kultur und Bräuche garantiert. Finnland verpflichtet sich, innerstaatlich die Autonomie und die genannten Garantien einzuhalten, indem die Åland-Vereinbarung als Sonder­gesetz erlassen wird. Am 9. Juni 1922 tritt der gewählte aländische Landtag unter Julius Sundblom erstmals zusammen. Eine Voraussetzung für die Annahme des Völkerrats­beschlusses durch Schweden ist die strikte Demilitarisierung und Neutralität der Åland-Inseln. Die heutigen sichtbaren Zeichen der aländischen Eigenständigkeit sind Flagge, Hymne, Nationalfeiertag, Autokennzeichen, Briefmarke, Internetdomain und Schwedisch als Amtssprache. Egbert Jahn fasst in einer 2014 erschienenen Untersuchung das Er­gebnis der Präventionsbemühungen im Konflikt um die Åland-Inseln wie folgt zusam­men:

„Åland besitzt aufgrund von §120 der Verfassung Finnlands und eines Selbstverwaltungsgesetzes Gesetzgebungskompetenzen für die innere Verwaltung, die Wirtschaft, die Sozialfürsorge und die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung. Internationale Verträge, die auch Åland betreffen, bedürfen der Zustimmung seines Parlaments. Der Präsident Finnlands kann lediglich ein Veto gegen Gesetze einlegen, die die Autonomiekompetenzen überschreiten oder die Sicherheit Finnlands verletzen. Finnland besitzt die Kompetenzen für die Außen- und Verteidigungspolitik, den größten Teil des Zivil- und Strafrechts, die Organisation der Gerichte und für den Zoll und die Steuergesetzgebung. Åland erhält 0,45 % der Steuereinnahmen des Staates, ein Anteil, der erhöht werden kann, wenn die Inseln ökonomisch erfolgreich sind. Die Inseln erwirtschaften ein höheres Bruttoinlandsprodukt als das Festland in der Landwirtschaft, der Fischerei und vor allem in der zoll- und abgabenfreien Schifffahrt zwischen Finnland, Åland und Schweden sowie im Tourismus.

Die Åland-Inseln besitzen ein eigenes Parteiensystem […]. In dieser Volksvertretung (Lagting) sitzen heute 30 Abgeordnete aus sechs Parteien. Die Regierung (Landskapsstyrelse) unter Führung eines Lantråd besteht aus 5-7 Personen. Die Åland-Inseln entsenden einen Abgeordneten in das Parlament Finnlands (200 Abgeordnete), der jeweils der Fraktion der Schwedischen Volkspartei, die die Festlandschweden vertritt, beitritt.

Die Åland-Inseln sind seit 1970 wie die Färöer und Grönland neben den fünf unabhängigen nordi-schen Staaten gleichwertige Mitglieder des seit 1952 bestehenden Nordischen Rates.“ […] (S. 15).

„Das Autonomiegesetz wurde 1951 und dann nochmals 1991[i] neu und detaillierter gefaßt, wobei die autonomen Kompetenzen ausgedehnt wurden. Die Åländer besitzen nunmehr neben der Staatsanghörigkeit Finnlands ein eigenes Heimatrecht (hembygdsrätt/kotiseutuoikeus),[ii] das man besitzen muß, um an den Wahlen zum Landtag teilnehmen zu dürfen. Sie sind vom Wehrdienst in den finnischen Streitkräften befreit. Das Heimatrecht Ålands kann nur von finnischen Staats­angehörigen erworben werden, die mindestens fünf Jahre ununterbrochen in Åland gewohnt haben und der schwedischen Sprache mächtig sind.“ (S. 14)

  • Jahn, Egbert (2014): Sprachliche Assimilation aller Staatsangehörigen oder Minderheitenschutz: der Präzedenzfall Åland-Inseln. Frankfurter Montags-Vorlesungen: Politische Streitfragen in zeitgeschichtlicher Perspektive, Neue Folge 30, S. 15 und 14; die Vorlesung erscheint im Herbst 2014 in: Egbert Jahn: Politische Streitfragen, Band 4. Weltpolitische Herausforde­rungen, Wiesbaden: VS Springer.
  • Mondeen, Tore: Völkerrechtliche Probleme der Åland-Inseln In: Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht (Hg.): Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht. Heidelberg Journal of International Law (HJIL), Vol. 37, 1977, S. 604-619.
  • http://www.zaoerv.de/37_1977/37_1977_3_4_a_604_619.pdf (Stand: 15.10.2012)
  • Der Landtag und die Regierung der Landschaft Åland (Hg.) (2008): Åland im Überblick. Mariehamns Tryckeri
  • http://www.aland.ax/.composer/upload//Kortogott_ty.pdf (Stand: 15.10.2012)

Saskia Thorbecke


The Åland Islands 1918
The Conflict between Finland and Sweden

The Åland Islands are between Finland and Sweden, between the Gulf of Bothnia and the Baltic Sea. Their strategic position justifies a significant interest in the Åland Islands by Sweden and Finland as well as by Russia. The history of Åland is therefore closely linked to the disputes between Sweden and Czarist Russia, and to the emergence of the Finnish State.

During the Great Nordic War between Greater Sweden and Russia the latter had occupied most of Finland and the Åland Islands in 1714. The Treaty of Nystad in 1721 ended this occupation. As a result of the Nordic War, the influence of Sweden faded in the Baltic Sea and Finland, which till then had been integrated into the Swedish imperial administration. The attempt of Sweden to regain its status of a great power failed. Again Åland and Finland came under Russian occupation from 1741-1743. In the Third Napoleonic War, the Russian Czarist Empire and Sweden were opponents again. In 1808 Russia started a war of twelve months with Sweden for supremacy in the Baltic. With the Peace of Fredrikshavn in 1809 Sweden lost its influence on the Åland Islands and Finland once and for all. The archipelago became part of the autonomous Grand Duchy of Finland within the Russian Tsar Empire. In the Crimean War, the Åland Islands were occupied by the French Navy in 1854. The Paris Peace Treaty ended the Crimean War in 1856 and provided the demilitarization of the Åland Islands for the first time.

In 1917 the Russian February Revolution made possible far-reaching changes for the Grand Duchies. On August 22, 1917, in a meeting of their representatives in the Åland Islands, the desire for reconnection to Sweden was articulated. However, with the subsequent independence of Finland, the Åland Islands, as a former part of the Russian Grand Duchy of Finland, had to join Finland. The Ålanders then pleaded for the principle of Self-determination of Peoples. They petitioned the Swedish king asking for reintegration into the Swedish Kingdom. Finland rejected the breaking away of the Åland Islands, but the Finnish Parliament adopted an Autonomy Act for Åland in 1920. Since that did not eliminate the conflict, the League of Nations, on a proposal by England, was asked to find a solution.

The Council of the League of Nations attributed sovereignty over the Åland Islands to Finland in 1921. The Ålanders were offered autonomy, the Swedish language, and the preservation of their culture and customs were guaranteed. Finland accepted the obligation to respect their autonomy and the guarantees for internal rule mentioned, by adopting the Åland Agreement as a special law. On June 9, 1922, the elected Åland Parliament under Julius Sundblom met for the first time. A prerequisite for the adoption of the decision of the Council by Sweden was strict demilitarization and neutrality of the Åland Islands. Today’s visible signs of Åland’s autonomy are flag, anthem, national holiday, car registration number, stamp, internet domain and Swedish as an official language. In a study published in 2014 Egbert Jahn summarized the result of prevention efforts in the conflict over the Åland Islands as follows:
„On the basis of Section 120 of the Finnish Constitution and a Law on Self-government Åland has legislative powers for internal administration, the economy, social welfare and maintenance of internal order. International treaties which affect Åland, need the consent of its Parliament. The President of Finland can only veto laws that exceed the competences of autonomy or violate the security of Finland. Finland owes the responsiblity for foreign and defence policy, for most of the civil and criminal law, for the organization of the courts and for the customs and taxes legislation. Åland receives 0.45% of the State tax revenue, a proportion that can be increased if the islands are economically successful. The islands generate a higher gross national product than the mainland in agriculture, fisheries and particularly in the tax- and duty-free shipping between Finland, Åland and Sweden as well as in tourism.
The Åland Islands have a party system of their own […]. In this representation of the people (Lagting) 30 MPs from six parties sit today. The government (Landskapsstyrelse) under the leadership of a Lantråd consists of 5-7 people. The Åland Islands appoint a member to the Finnish Parliament (200 deputies). That member always joins the faction of the Swedish People’s Party, which represents the mainland Swedes.

Since 1970 the Åland Islands, in the same way as the Faroe Islands and Greenland, beside the five independent northern European states, are equal members of the Nordic Council which has existed since 1952. […] (p. 15). The Autonomy Law had been conceived in 1951 and was renewed in a more detailed manner in 1991. Competences of autonomy were extended. Apart from their Finnish nationality Ålanders now have their own right of abode (hembygdsrätt / kotiseutuoikeus), which is a prerequisite for participating in elections for their parliament. They are exempt from military service in the Finnish armed forces. The right of abode in Åland can only be acquired by Finnish nationals who have resided in Åland for at least five years continuously and know the Swedish language.“ (p.14)

Bibliography: see German version

Saskia Thorbecke (completed by Reiner Steinweg)


Les Iles Åland
Le conflit entre la Finlande et la Suède se disputant les Iles Åland en 1918

Les Iles Åland sont situées entre la Finlande et la Suède, au passage entre le Golfe de Botnie et la Mer Baltique. La situation stratégique de ces îles est la raison pour laquelle la Suède et la Finlande ainsi que la Russie leur portent un vif intérêt. L’histoire des Iles Åland est donc influencée étroitement par les conflits entre la Suède et la Russie ainsi qu’avec la naissance de l’état finlandais.

Pendant la Grande Guerre Nordique entre la Russie et la Suède, majeure puissance scandinave, la Russie occupe en 1714 la plus grande partie de la Finlande et les Iles Åland. La paix de Nystad met un terme à cette occupation en 1721. En conséquence de la Guerre Nordique, l’influence de la Suède sur la Finlande, jusqu’alors intégrée dans l’administration de l’Empire suédois, et sur la région baltique diminue. La tentative suédoise de récupérer sa position de grande puissance échoue. De nouveau, les Iles Åland ainsi que la Finlande tombent, de 1741 à 1743, sous l’occupation russe. Pendant la Troisième Guerre Napoléonienne, l’empire du tsar russe et la Suède se trouvent, une fois de plus, opposés l’un à l’autre. En 1808, la Russie commence la guerre d’une année avec la Suède pour obtenir la suprématie dans la région baltique. Avec la paix de Fredrikshavn en 1809, la Suède perd définitivement son influence sur les Iles Åland et sur la Finlande. Ces Iles deviennent part de la principauté autonome de la Finlande, intégrée dans l’empire du tsar russe. Pendant la Guerre de Crimée, les Iles sont occupées en 1854 par la marine française. C’est le traité de Paris qui met fin, en 1856, à la guerre de Crimée et fixe pour la première fois la démilitarisation des Iles Åland.

En 1917, la révolution russe de février permet de vastes changements aux grandes principautés. Le 22 août 1917, dans une assemblée des représentants des Iles Åland, le désir d’une réunion avec la Suède est exprimé publiquement. Cependant, avec l’indépendance de la Finlande qui suit peu après, les Iles Åland, ancienne partie finlandaise de la grand-principauté russe, sont attribuées à la Finlande. Alors, les Ålandais se réfèrent au droit des peuples à l’autodétermination. Ils adressent une pétition au roi de Suède, lui demandant la réintégration dans son royaume. La Finlande refuse de céder les Iles, mais le parlement finnois vote en 1920 une loi de gestion autonome pour les Ålandais. Puisque celle-ci ne termine pas le conflit, l’Angleterre propose de demander une décision à la Société des Nations.

Celle-ci concède en 1921 à la Finlande la souveraineté sur les Iles. L’autonomie est offerte aux Ålandais, la langue suédoise et la conservation de leur culture et coutumes est garantie. La Finlande promet de respecter, à l’intérieur de son Etat, l’autonomie et les garanties données; à cette fin, le traité ålandais est promulgué comme loi spéciale. Le 9 juin 1922, le landtag ålandais élu se rassemble pour la première fois sous Julius Sundblom. Une condition pour que la Suède accepte la décision de la Société des Nations, est la stricte démilitarisation et neutralité des Iles. Les signes de l’autonomie ålandaise, visibles aujourd’hui, sont le drapeau, l’hymne, la fête nationale, le numéro d’immatriculation de voiture, les timbres, le domaine Internet et le suédois comme langue officielle. Egbert Jahn résume dans une étude, parue en 2014, le résultat des tentatives de prévention dans le conflit concernant les Iles Åland:

«Basées sur le § 120 de la Constitution finnoise et sur une loi de gestion autonome, l’Åland possède des compétences législatives pour l’administration de l’intérieur, le commerce, la politique sociale et la police. Des traités internationaux concernant aussi l’Åland doivent être acceptés par son parlement. Le président de la Finlande a droit seulement à un veto contre des lois qui dépassent les compétences d’autonomie ålandaise ou mettent en danger la sécurité de la Finlande. Celle-ci possède les compétences pour les Affaires étrangères et la Défense, la majeure partie du droit civil et pénal, l’organisation des tribunaux, pour la douane et la législation fiscale. L’Åland reçoit 0,45 % des recettes fiscales de l’Etat, une part qui peut être augmentée si le commerce des Iles s’avère florissant. Ils réalisent un produit intérieur brut plus élevé que celui du continent dans l’agriculture, la pêche et surtout dans la navigation en franchise entre la Finlande, l’Åland et la Suède ainsi que dans le tourisme.

Les Iles possèdent un propre système des partis politiques […]. Au parlement (Lagting) se trouvent aujourd’hui 30 délégués de six partis. Le gouvernement (Landskapsstyreise) sous la direction d’un Lantråd comprend 5 à 7 personnes. Les Iles envoient un délégué dans le parlement finnois (200 délégués). Ce délégué se joint communément au groupe fractionnaire «parti populaire suédois» représentant les Suédois du continent.

Les Iles Åland sont depuis 1970 (tout comme les îles Féroé et le Groenland, à côté des cinq états scandinaves indépendants) membre équivalent du Conseil Nordique existant depuis 1952.» […] (p. 15).

«La Loi d’autonomie reçoit, en 1951 et ensuite en 1991, une nouvelle forme plus détaillée qui élargit les compétences autonomes. Les Ålandais possèdent maintenant en dehors de la nationalité finlandaise un droit de patrie à eux […] qu’on doit avoir acquis pour participer aux élections pour le landtag. Ils sont exempts du service militaire dans l’armée finlandaise. Le droit ålandais de patrie ne peut être concédé qu’aux Finlandais qui ont vécu au moins pendant cinq années sans interruption dans les Iles et qui savent parler la langue suédoise.» (p. 14)

Littérature supplémentaire: voir version allemande.

Saskia Thorbecke (complété par R. Steinweg)